Bauaufsichtliche Anforderungen an Abgasanlagen

Anforderungen an Abgasanlagen sind in den jeweiligen Bauordnungen und Feuerungsverordnungen der LĂ€nder sowie  in DIN V 18160-1:2006-01 enthalten. Abgasanlagen mĂŒssen den Brandschutz und eine sichere AbfĂŒhrung der Abgase gewĂ€hrleisten. Welche AbstĂ€nde zu brennbaren Baustoffen fĂŒr die brandsichere Aufstellung einzuhalten sind, hĂ€ngt von der Abstandsklasse des Schornsteines ab. Dabei ist auch die maximale Abgastemperatur (Temperaturklasse T), fĂŒr die der Schornstein zugelassen ist, zu beachten. In welche Klasse ein Schornstein/Abgasleitung eingestuft ist, steht in der HerstellererklĂ€rung bzw. der bauaufsichtlichen Zulassung und auf der Kennzeichnung der Abgasanlage, die meistens auf der unteren Reinigungsöffnung angebracht ist.

FEUERWIDERSTANDSKLASSE

Damit Schornsteine im Brandfall möglichst lange standsicher bleiben und die Brandausbreitung verhindern, mĂŒssen sie in die Feuerwiderstandsklasse L 90 (in Zukunft EuropĂ€ische Normung EI 90) eingestuft sein, also im Brandfall mindestens 90 Minuten standsicher sein. Andernfalls besteht die Gefahr, dass das Feuer in andere Etagen ĂŒberschlĂ€gt. RußbrandbestĂ€ndige Schornsteine mit keramischem Innenrohr (gefordert fĂŒr feste Brennstoffe) sind immer in die oberste Feuerwiderstandsklasse L 90 eingestuft.

FĂŒr Abgasleitungen (geeignet fĂŒr Gas- und Ölheizungen) muss bei WohngebĂ€uden geringerer Höhe (GebĂ€udeklasse 1 und 2) ein Feuerwiderstand von 30 Minuten (L 30, EI 30 ), bei allen anderen GebĂ€uden von 90 Minuten (L 90, EI 90) nachgewiesen werden. Einzelheiten sind den jeweiligen Landesbauordnungen und Feuerungsverordnungen zu entnehmen.

ABSTAND ZU ANGRENZENDEN BRENNBAREN BAUSTOFFEN

Der vorgeschriebene Abstand zwischen Schornstein und brennbaren Bauteilen soll die OberflĂ€chentemperaturen angrenzender brennbarer Bauteile so niedrig halten, dass kein Brand bei Betriebstemperatur und Rußbrand entstehen kann. Der notwendige Abstand ist der angegebenen Abstandsklasse zu entnehmen. DIN V 18160-1:2006-01 gibt den Abstand zu Bauteilen aus oder mit brennbaren Baustoffen zusammen mit der RußbrandbestĂ€ndigkeitsklasse an (z.B. G 50 – rußbrandbestĂ€ndig mit einem Abstand von 50 mm). RußbrandbestĂ€ndige, mehrschalige Schornsteine mit keramischem Innenrohr sind in der Regel in die Abstandsklasse G 50 eingestuft. AbstĂ€nde zu Holzbalken siehe Feuerungsverordnung der LĂ€nder.

Der Abstand ist offen zu halten oder gut zu belĂŒften (Abb. A-C). In AusnahmefĂ€llen ist auch eine VerfĂŒllung mit nichtbrennbaren DĂ€mmstoffen zulĂ€ssig. Zu Bauteilen, die nur geringfĂŒgig anliegen, z.B. Fußbodenleisten oder Dachlatten, ist kein Abstand erforderlich. Zu Fenstern ist ein mindestens 20 cm breiter Abstand einzuhalten.

Abgasleitungen außerhalb von SchĂ€chten mĂŒssen von Bauteilen aus oder mit brennbaren Baustoffen einen Abstand von mindestens 20 cm einhalten, es sei denn

  • die Abgasleitung ist mit mindestens 2 cm dickem, nichtbrennbarem DĂ€mmstoff ummantelt oder
  • die Abgastemperatur der FeuerstĂ€tten bei NennwĂ€rmeleistung erreicht maximal 160 °C.
Der Abstand ist mit nichtbrennbarem DĂ€mmstoff der WLG 004 zu fĂŒllen oder offen zu halten oder gut zu belĂŒften. Bei den Lösungen entsprechend Abb. A und B ist ein Herstellernachweis erforderlich, Abb. C entspricht der DIN V 18160-1. Bei Abb. B ist eine BelĂŒftungsöffnung unten und oben vorzusehen.
Beispiel fĂŒr AbstĂ€nde zu brennbaren Bauteilen bei der Schornstein-Abstandsklasse G50
Beispiel fĂŒr AbstĂ€nde zu brennbaren Bauteilen bei der Schornstein-Abstandsklasse G50

DECKENDURCHFÜHRUNG

Schornsteine dĂŒrfen durch Decken, UnterzĂŒge und andere Bauteile nicht unterbrochen, belastet oder auf sonstige Weise gefĂ€hrlich belastet werden. Verformungen dieser Bauteile dĂŒrfen den Schornstein nicht beanspruchen. Aussparungen im Bereich des Schornsteines sollten deshalb umlaufend ca.  5 bis  10 cm grĂ¶ĂŸer als das Schornsteinaußenmaß sein. Die VerfĂŒllung des Zwischenraumes ist  den Herstellerhinweisen und DIN V 18160-1 zu entnehmen.

SCHORNSTEINFUSS

Schornsteine mĂŒssen unmittelbar auf dem Baugrund gegrĂŒndet oder auf einem feuerbestĂ€ndigen Unterbau errichtet sein. FĂŒr Schornsteine genĂŒgt ein Unterbau aus nichtbrennbaren Baustoffen:

  • bei GebĂ€udeklasse 1 bis 3 oder
  • wenn sie oberhalb der obersten Geschossdecke beginnen oder
  • an GebĂ€ude angebaut sind

VERBINDUNGSSTÜCKE DURCH BAUTEILE AUS ODER MIT BRENNBAREN BAUSTOFFEN (Z.B. WÄNDE / DÄCHER)

VerbindungsstĂŒcke leiten die Abgase vom Abgasstutzen der FeuerstĂ€tte zum senkrechten Teil der Abgasanlage. Sie mĂŒssen, soweit sie durch Bauteile mit brennbaren Baustoffen fĂŒhren, einen Abstand von 20 cm zum brennbaren Bauteil aufweisen. Der Einbau hat mit einem gut durchlĂŒfteten Schutzrohr aus nicht brennbaren Baustoffen zu erfolgen oder mit 20 cm dicken, nicht brennbaren DĂ€mmstoffmantel gemĂ€ĂŸ Abb. unten. Außerdem bieten verschiedene Hersteller spezielle Lösungen an.

VerbindungsstĂŒcke durch Bauteile mit brennbaren Baustoffen erfordern eine Ummantelung mit nicht brennbarem DĂ€mmstoff


REINIGUNGSÖFFNUNGEN

Reinigungsöffnungen von Schornsteinen mĂŒssen von brennbaren Bauteilen mindestens 40 cm (ohne Strahlungsschutz) bzw. 20 cm (mit Strahlungsschutz) entfernt sein. Brennbare Fußböden unter Reinigungsöffnungen brauchen einen Schutz aus nichtbrennbaren Baustoffen mit der Mindesttiefe von 50 cm und dem Mindestabstand von 20 cm + Öffnungsbreite je Seite (Feuerungsverordnung der LĂ€nder beachten, sofern vom Hersteller nicht anders deklariert). FĂŒr die Verwendung als Abgasleitung bestehen andere Anforderungen.

 

 

 

 

           

 

 

SENKRECHTE SCHORNSTEINFÜHRUNG

Abgase sollten auf möglichst kurzem Weg ins Freie gelangen und im Schornstein möglichst senkrecht bis zur MĂŒndung geleitet werden. DIN V 18160-1:2006-01 regelt, dass Schornsteine möglichst lotrecht zu erstellen sind. Deshalb ist die Dachkonstruktion entsprechend auszubilden.

Anmerkung: Die Festlegungen der  DIN V 18160-1:2006-01 werden in einigen BundeslĂ€ndern in den Feuerungsverordnungen durch zusĂ€tzliche Regelungen ergĂ€nzt.

SCHORNSTEINMÜNDUNG ÜBER DACH

Die SchornsteinmĂŒndung sollte in der NĂ€he der höchsten Dachkante liegen und diese möglichst 40 cm ĂŒberragen. Die Zugwirkung ist so am gleichmĂ€ĂŸigsten und wird weder durch die Windrichtung oder Verwirbelungen wesentlich gestört. Abgase werden unverzĂŒglich vom GebĂ€ude weg in die AtmosphĂ€re geleitet.

Einzelheiten sind in den Feuerungsverordnungen der jeweiligen BundeslĂ€nder und der DIN V 18160-1:2006-01, Abschnitt 6.10.2 geregelt. ZusĂ€tzlich gelten die Anforderungen der DIN EN 3384 sowie die Bundesemissionsschutzverordnung und eventuelle Auflagen der unteren Bauaufsichtsbehörden. Sie berĂŒcksichtigen z.B. besondere GefĂ€hrdungen in Tallagen und Umweltschutzauflagen. Spezielle Anforderungen können sich auch aus der geplanten FeuerstĂ€tte selbst ergeben (Leistung der eingesetzten Brennstoffe). Die verschiedenen Anforderungen sollten bereits in einem frĂŒhen Planungsstadium geprĂŒft werden.

 

Flachdachbild fehlt

Nach DIN V 18160-1:2006-01 muss die MĂŒndung von Abgasanlagen den First um mindestens 40 cm (nicht brennbare Dachbedeckung) bzw. 80 cm (weiche Dachbedeckung) ĂŒberragen oder von der DachflĂ€che mindestens 1,0 m entfernt sein (maßgeblich bei Dachneigungen unter 20°). Als weich gelten Bedachungen, die aus brennbaren Baustoffen wie Stroh, Rohr, Reet bestehen oder mit brennbaren Baustoffen gedichtet sind.

Anmerkung: Die Festlegungen der  DIN V 18160-1:2006-01 werden in einigen BundeslĂ€ndern in den Feuerungsverordnungen durch zusĂ€tzliche Regelungen ergĂ€nzt.

SCHORNSTEINHÖHE ÜBER DACH UND ABSTAND ZU DACHAUFBAUTEN UND ÖFFNUNGEN

Die Schornsteinhöhe ĂŒber Dach ist in den Feuerungsverordnungen der jeweiligen BundeslĂ€ndern und der DIN V 18160-1:2006-01 Abschnitt 6.10.2 geregelt . ZusĂ€tzlich gelten die Anforderungen der DIN EN 13384 und eventuelle Auflagen der unteren Bauaufsichtsbehörden. Sie berĂŒcksichtigen z.B. besondere GefĂ€hrdungen in Tallagen und Umweltschutzauflagen. Spezielle Anforderungen können sich auch aus der geplanten FeuerstĂ€tte selbst ergeben (Leistung, eingesetzter Brennstoff). Die verschiedenen Anforderungen sollten bereits in einem frĂŒhen Planungsstadium geprĂŒft werden.

                               

Liegen Fenster oder Dachaufbauten (z.B. AufzĂŒge) dichter als 1,5 m am Schornstein (Ausnahme Bayern), muss die SchornsteinmĂŒndung mindestens 1 m ĂŒber die Oberkante des Fensters bzw. des Dachaufbaus ragen. Auch hier sind weitergehende Forderungen zu beachten.

 

 

EINRICHTUNGEN FÜR SCHORNSTEINFEGERARBEITEN

Zum Reinigen des Schornsteines sollte eine obere ReinigungstĂŒr vorhanden sein. Derzeit gibt es Bestrebungen, Schornsteine von unten ĂŒber eine zusĂ€tzliche Reinigungsöffnung zu fegen. Mit dieser Lösung entfĂ€llt die Unfallgefahr und die Kosten fĂŒr bauliche Maßnahmen zur UnfallverhĂŒtung verringern sich.

STANDSICHERHEIT

Abgasanlagen mĂŒssen Belastungen aus Eigengewicht, Wind und ggf., dynamische Lasten in Erdbeben gefĂ€hrdeten Zonen aufnehmen können. Ihre Standsicherheit regelt DIN  V 18160-1 Abschnitt 13.
Nicht schwingungsanfĂ€llige Abgasanlagen aus Mauerwerk und Beton mĂŒssen folgende Bedingungen erfĂŒllen:

  • Die Höhe des Abschnittes ĂŒber der obersten horizontalen AbstĂŒtzung darf nicht mehr als 3 m betragen und den 5-fachen Wert der kleinsten Schaftbreite nicht ĂŒbersteigen.
  • Eine zweite horizontale AbstĂŒtzung muss vorhanden sein. Von der MĂŒndung aus gesehen, darf sie nicht mehr als 5,00 m unter der obersten horizontalen AbstĂŒtzung liegen.
  • Horizontale AbstĂŒtzungen mĂŒssen nahezu unverschieblich sein. Die von der Abgasanlage abgegebenen KrĂ€fte mĂŒssen sicher in das GebĂ€ude  und in den Untergrund abgeleitet werden. Der Zwischenraum zwischen der StĂŒtzkonstruktion und der AußenflĂ€che der Abgasanlage oder der SchĂ€chte muss kraftschlĂŒssig (z.B. mit Mörtel oder Beton) ausgefĂŒllt sein. Thermische Bewegungen dĂŒrfen jedoch nicht behindert werden.
  • Bei außen angebrachten Abgasanlagen darf der Abstand vom GebĂ€ude 1,00 m nicht ĂŒberschreiten.

Sind diese Bedingungen nicht erfĂŒllt, ist die Standsicherheit nach DIN 1056 bzw. DIN EN 13084-2 nachzuweisen.
Bei den Lastannahmen fĂŒr Wind ist die Neufassung von DIN 1055:2006 zu berĂŒcksichtigen.

NACHTRÄGLICHER SCHORNSTEINEINBAU

Zur Sicherung der GebĂ€udeheizung bei Stromausfall und in Anbetracht der steigenden Energiepreise, planen viele Hausbesitzer den nachtrĂ€glichen Einbau einer Holzheizung, eines Kachel- oder Kaminofens. Wird der erforderliche Schornstein innerhalb des Hauses errichtet, gelten die gleichen Vorschriften wie fĂŒr einen Neubau.

Ist ein Schornstein an der Fassade geplant, sollte sich der Hausbesitzer ebenfalls fĂŒr einen mehrschaligen Schornstein mit keramischem Innerohr entscheiden. Ob die Außenschale dann aus mineralischen Baustoffen besteht oder ob als Designmittel eine Edelstahlfassade gewĂ€hlt wird, ist nach den jeweiligen VerhĂ€ltnissen vor Ort zu entscheiden. Bei der Holzverbrennung wichtig ist das Innenleben- und dies kann sowohl bei einer mineralischen AußenhĂŒlle als auch bei einer Edelstahlaußenhaut aus Keramik sein. Als QualitĂ€tsmerkmal gilt hier die Kennung: W3G.

Die GrĂŒndung muss frostsicher sein und aus nicht brennbarem Material bestehen. Im Einzelfall ist zu prĂŒfen, ob die Kellerwand den zusĂ€tzlichen Erddruck aufnehmen kann. Bei einem Stahlbetonkeller wird dieses meistens der Fall sein. Anderenfalls ist die GrĂŒndung bis zum Fundament des Hauses herunter zu fĂŒhren. FĂŒr die Dimensionierung des Fundamentes kann der Schornsteinhersteller die auftretenden Lasten angeben.

DER SCHORNSTEIN ALS ARCHITEKTURELEMENT

Schornsteinköpfe waren in der Vergangenheit ein wichtiges Architekturdetail und trugen bei reprĂ€sentativen Bauwerken wesentlich zum GebĂ€udegestaltung bei. Dieser Anspruch ist hĂ€ufig leider verloren gegangen. Statt dessen wird der Schornstein vielfach als unansehnliches Abgasrohr, das weder vom Material noch von der Form zum GebĂ€ude passt, außen angebracht.

FĂŒr die meisten Bauinteressenten ist ein eigenes Haus nicht nur „ein Dach ĂŒber dem Kopf“, sondern auch eine langfristige Geldanlage zur Alterssicherung. Mit Blick auf den Wiederverkaufswert sollte der Planer Bauherren so beraten, dass das GebĂ€ude auch langfristig seinen Wert erhĂ€lt. Dazu gehört auch die Integration des Schornsteines.

AUFSTELLUNG VON KAMIN- UND KACHELÖFEN

Vor der Öffnung von Kamin- und Kachelöfen muss der Fußboden aus einem nicht brennbaren Material bestehen bzw. abgedeckt sein, z.B. Fliesen oder Abdeckung mit Stahlblech oder Hitze bestĂ€ndigem Glas. Der nicht brennbare Bereich muss mindestens 20 cm seitlich der Öffnung und 50 cm vor der Öffnung umfassen. Herstellerangaben sind zu beachten.

ABNAHME

Bereits nach Rohbaufertigstellung ist der Schornstein vom Bezirksschornsteinfegermeister abzunehmen. Er vertritt die staatliche Bauaufsicht. Nach Fertigstellung der Heizungsanlage und erfolgreicher Abnahme bescheinigt er die Betriebssicherheit.

Die Regeln der FeuerstĂ€ttenverordnungen der BundeslĂ€nder ergĂ€nzen die Regelungen fĂŒr Schornsteine in DIN V 18160. Diese können je nach Bundesland anders lauten. Sofern es sich nicht um StandardfĂ€lle handelt, sollte deshalb schon im Planungsstadium der zustĂ€ndige Schornsteinfeger angesprochen werden.

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